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GN-Online.de vom 14.11.2011
Narren stürmen das Nordhorner Rathaus
Bürgermeister Thomas Berling gibt Schlüssel und Macht an Karnevalisten ab
Einen Tag später als in jedem Narren-Kalender vorgesehen, haben die beiden Nordhorner Karnevalsvereine am Sonnabend das Rathaus der Kreisstadt erstürmt. Auf Grund mehrerer Standesamtstermine am Freitag, 11. 11., hatte das traditionelle Treiben an diesem so klassisch-närrischen Datum das Nachsehen gehabt.
Von Rainer Müller - Nordhorn. Bei niedrigen Außentemperaturen, aber mit noch wärmender Herbstsonne hatten sich die Mitglieder des 1. Nordhorner Karnevalsclubs „Junge Narren“ (KCN) sowie des KC Alemannia (KCA) in der Innenstadt zu einem bunten Zug mit Gardetänzerinnen und Funkenmariechen formiert, verstärkt durch eine Abordnung der befreundeten Stadtwache Rheine. „Endstation“ des farbenfrohen „Lindwurms“ war natürlich das Rathaus an der Bahnhofstraße.
Mit närrischen Klängen zogen die Jecken dort auf den Vorplatz, wo Martin Tolhuysen, Sitzungspräsident der Jungen Narren, pünktlich um 11.11 Uhr per Megaphon von Bürgermeister Thomas Berling Einlass ins Rathaus forderte, begleitet von mehreren ohrenbetäubenden Böllerschüssen, abgegeben aus Kanonen der Stadtwache Rheine. Berling selbst hatte sich auf Grund der zu erwartenden Erstürmung seines Amtssitzes Verstärkung und Hilfestellung durch Kräfte der Nordhorner Jugendfeuerwehr auf den Balkon des Rathauses geholt, um seine Festung länger und besser verteidigen zu können.
Mit dicken Lösch-Schläuchen zielten die Blauröcke im Scherz auf die unten stehende Menge. Doch es wurde nicht gespritzt, die Gegenwehr des Nordhorner Bürgermeisters hielt sich in Grenzen, sodass Martin Tolhuysen den Rathausschlüssel und damit die Macht relativ schnell entgegennehmen konnte.
Im Großen Sitzungssaal wurde dann die Erstürmung des Rathauses ausgelassen mit Funkenmariechen und Gardetanz, Bier und Berlinern sowie launigen Reden und Kalauern gefeiert.
Bürgermeister Thomas Berling drückte während einer kurzen und launigen Ansprache seine Hoffnung aus, dass das Leben „ab heute“ lustiger, lauter und vor allem ehrlicher werde, da die Narren bekanntlich kein „Blatt vor den Mund“ nähmen, nichts zu verlieren hätten, weder guten Ruf noch Ansehen. Berling erinnerte daran, dass den Politikern und Bürgermeistern in der Karnevalszeit der Spiegel vorgehalten und ihnen in den kommenden Büttenreden „schwere Kost“ zugemutet werde. „Aber oft ist ein Fünkchen Wahrheit daran, und nichts macht dem Narren mehr Spaß, als sich auf Kosten anderer zu amüsieren“, bekräftigte der neue Nordhorner Bürgermeister, der nicht vergaß, gemäß dem Brauchtum den „Verlust“ seiner Macht durch die Übergabe eines mit exakt 1111 Münzen gefüllten „Stadtsäckels“ an beide Vereine zu bezahlen.
Der Moderator und Sitzungspräsident der „Jungen Narren“, Martin Tolhuysen, verabschiedete dann das Prinzenpaar 2010/2011 des KC Alemannia, Heinrich I. und Marion I., sowie das Stadtprinzenpaar Peter III. und Angelika I., während Bürgermeister Berling den scheidenden Prinzen und Prinzessinnen karnevalistische Ehrenorden verlieh. Anschließend wurde das neue Stadtprinzenpaar vorgestellt: Andre I. und Denise I. regieren jetzt die Nordhorner Närrinnen und Narren für ein Jahr.
Für mächtig Wirbel auf dem Parkett des Sitzungssaales sorgten tänzerische Darbietungen der Funkenmariechen beider Karnevalsclubs, einer Showtanzgruppe des KCN-Nachwuchses sowie die Prinzengarde der Jungen Narren.
Natürlich gab auch „Hausmeister Horst“ alias Horst Frantzen wieder Kostproben seines aktuellen Programms, das durchaus verspricht, während der KCN-Prunksitzung am kommenden Sonnabend in der Alten Weberei wieder für Beifallsstürme sorgen zu können. Gattin und Sängerin Irene brachte mit ihren Coverversionen bekannter Songs von Andrea Berg und Helene Fischer die Stimmung auf den Höhepunkt. |