Richtig Party auf und vor den Wagen

Frischer Wind und gute Stimmung beim 40.Nordhorner Karnevalszug durch die Blanke

Image_9Gutes Wetter, gute Stimmung, keine Probleme: Zum 40. Mal haben die Karnevalsvereine „KC Junge Narren“ und „KC Alemannia“ gestern ein schrilles Feuerwerk des Frohsinns in der Blanke abgebrannt. Neben und auf den bunten Karnevalswagen feierten Tausende mit den Jecken.

Von Rolf Masselink und Rainer Müller mit Fotos von Jürgen Lüken

NORDHORN. „Es ist über 15 Grad und die Sonne scheint. Die Hände aus den Taschen! Wo ist die Stimmung?“ Karnevalspräsident Martin Tolhuysen gibt auf der Kommandobrücke des neugestalteten Präsidiumswagens des KC „Junge Narren“ den Einheizer. Der Prunkwagen sieht aus wie ein großes Piratenschiff, rollt aber natürlich auf einem Anhänger. Dessen Fahrwerk muss jetzt seinen Härtetest bestehen: Oben auf Deck wippt ein gutes Dutzend stimmungsgeladener KCN-Granden im Takt dröhnender Party-Musik und testet so die Grenzen der Anhängerfederung.

Unten drängeln sich die Kinder, um „Wurfmaterial“ zu ergattern. Bonbons und „Kamelle“, Tütchen mit Gummibären und Popcorn prasseln von den Wagen auf die Menschen am Wegesrand nieder. Dreieinhalb Tonnen „Munition“ führt der Zug mit. Zielvorgabe: Es darf nichts übrig bleiben. Also raus was rausgeht.

Um genau 14.11 Uhr hat der „Zugmarschall“ im Gewerbegebiet Blanke den Startbefehl gegeben: Ganz langsam formiert sich der lange Lindwurm der Wagen und Fußgruppen zu seiner zwei Kilometer langen Tour durch die Blanke. Erste Station: Der Prinzenwagen des KC Alemannia an der Einmündung Ursulastraße/Gildehauser Weg. Hier nimmt das Stadtprinzenpaar Prinz Rainer II: und Prinzessin Waltraud II: die Parade der Jecken ab und reiht sich am Schluss in den Festzug ein.

Der bewegt sich im Stopand- Go-Modus über den Gildehauser Weg, gesäumt von Tausenden Zuschauern. Überraschend viele bunt verkleidete Jecken sind gekommen. Kinder natürlich, die als Feuerwehrmann oder Polizist, als Indianer oder Sherriff mit großen Augen auf die Wagen schauen.

Aber auch Jugendliche und viele Erwachsene haben sich in auffällige Gewänder gehüllt. Piraten in prächtigen Brokatroben und schwarzbunte Hexen, furchterregende Wikinger und blutrünstige Zombies, schrillbunte Flower- Power-Hippies, Kätzchen und Kühe. Ein buntes Bild der Grafschafter Bevölkerung. Mehrere Rollifahrergruppen haben sich am Fahrbahnrand postiert, und auch einige Flüchtlinge und Migranten säumen den Festzug und staunen über Grafschafter Karnevalstraditionen.

Mehr als zwei Dutzend Karnevalswagen suchen sich ihren Weg über den Gildehauser Weg in Richtung Blanke-Kreisel. 18 von ihnen stellen die Nordhorner Vereine KCN und KCA. Sie lassen gleich zu Anfang auf der „Jantje“ eine „große Koalition“ über die Blanke rollen. Vom Wagen werfen Ratsmitglieder von SPD und CDU in schönster Eintracht „Kamelle“ ins Volk. Beim KCA haben sie diesmal Tarnkleidung als Kostüm gewählt. „Die Kompanie rockt“ lesen die Zuschauer am Wagen. Militärische Disziplin? Denkste. Da wird gerockt was das Zeug hält.

Die rollende Live-Disco der Landjugend, der Kleingartenverein mit seiner Party-Laube, der riesige Wagen voller „Schlagerwahnsinn“, der große „Marktkauf“-Einkaufswagen oder die heiße Theke der Bathorner Edelweißschützen zeigen beispielhaft, dass der Nordhorner Karnevalszug längst über die Grenzen der Kreisstadt hinausgewachsen ist.

Das beweisen auch die Verstärkungskräfte mehrerer befreundeter Vereine: Der Karnevalsverein Lingen KVL schickt einen Wagen voller ehemaliger Prinzenpaare, die Emsbürener Kespel-Karnevalisten rollen gleich mit mehreren Motivwagen im Zug mit, angeführt natürlich vom „Herzog und seinem Kumpan“. Aus Emsbüren sind auch die „grauen Panther“ des ECC herbeigeschunkelt und das emsländisch/ Grafschafter OLBTeam droht: „Seht mal alle her, wir räumen eure Konten leer“. Auch die zahlreichen Tanzgarden und Musikgruppen zwischen den Wagen kommen beileibe nicht alle aus Nordhorn.

Verstärkung hat auch das KCN-Präsidium auf sein Piratenschiff eingeloggt: Bürgermeister Thomas Berling und Landtagsabgeordneter Reinhold Hilbers verdienen sich ihre Sporen als Kamellewerfer. KCN-Präsident Tolhuysen strahlt: „Alles prima. So viele Menschen sind da und haben Spaß. Alles läuft gut.“ Mehr als zweieinhalb Stunden braucht der Festzug für die kurze Strecke über den Gildehauser Weg. Immer wieder stoppt der Zug und nimmt sich Zeit, die Umstehenden mit karnevalistischem Frohsinn anzustecken. Erst gegen 16 Uhr biegen die ersten Wagen vom Kreisverkehr aus auf die „Zielgerade“ der Mathildenstraße ein. Dort endet der Umzug am Festplatz mit dem großen Festzelt. Zeit für die Aktiven, sich die heiser gegrölten Kehlen mit kühlen Getränken zu ölen. Im Festzelt steigt schließlich am Abend auch die große „Workout“- Party für Aktive und Zuschauer. Ende offen.

Im gleichen Festzelt hatten die „Jungen Narren“ bereits am Samstagabend knapp 300 Jecken auf den Höhepunkt der fünften Jahreszeit eingestimmt. Nach der Seniorenund Herrensitzung am vorherigen Wochenende war die Karnevalsparty der letzte „Härtetest“ vor dem großen Umzug auf der Blanke am gestrigen Sonntag. Richtig Stimmung kam aber erst gegen Mitternacht auf, als der Mallorca- und Karnevalssänger Stefan Stürmer die Bühne rockte. Der aus der mallorquinischen Party-Hochburg „Megarena“ bekannte Karnevalsprofi aus dem rheinischen Meckenheim schaffte es innerhalb kürzester Zeit, die bis dahin relativ ruhige Party musikalisch aufzumischen.

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Tausende Besucher säumten am Sonntag beim Karnevalsumzug durch die Blanke den Gildehauser Weg. Die Organisatoren sind rundum zufrieden.

Große Koalition auf der „Jantje“: Nordhorner Ratsmitglieder friedlich vereint auf einem KCN-Motivwagen.

Partystimmung schon am Samstagabend: Erstmals hatte der KCN am Vorabend des Karnevalsumzugs zum Feiern ins Festzelt eingeladen. 300 Gäste ließen sich begeistern. Foto: Müller

Bunte Kostüme und gute Stimmung gehörten gestern auf dem Gildehauser Weg dazu.

Viele Kinder hatten am Rande des Umzugs ihren Spaß an Kostümen und „Kamelle“.

Kreativität ist alles: als Vogelscheuche tut’s ein Leinensack als Karnevalskostüm.

Nicht schrill genug sein kann die Verkleidung. Auch Erwachsene zeigten, was geht.

Schön warm: Manches bunte Kostüm schützt auch vor dem kalten Wind.

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