Närrisches Volk juckt Rauchverbot nicht

GN-Online vom 19.02.07

Närrisches Volk juckt Rauchverbot nicht

Mehrere tausend Besucher erleben 31. Karnevalsumzug durch die Blanke

Die Veranstalter hatten erneut Glück mit dem Wetter. Trockenen Fußes konnten die Zuschauer am Rand und die Akteure auf den Wagen und in den Fußgruppen den Rosensonntag in vollen Zügen genießen. Insgesamt einen Kilometer lang war der närrische Lindwurm, der sich gut drei Stunden lang über den Gildehauser Weg schlängelte. Mehrere tausend Menschen beobachteten das bunte Treiben von den Straßenrändern aus.

Von Daniel Klause (Text) und Werner Westdörp (Fotos)
Nordhorn. War es im vergangenen Jahr beim 30. Karnevalsumzug auf der Blanke das Thema Gammelfleisch, so schaffte es in diesem Jahr die Diskussion um ein Rauchverbot auf einen Motivwagen des KC Alemannia. Wieder einmal trafen die Blau-Weißen damit genau ins Schwarze, hatte doch die Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, just an diesem Wochenende ein Rauchverbot in Autos gefordert. Die Alemannen kommentierten die Forderung auf ihre Weise mit ordentlich Qual und Attrappen von Glimmstengeln selbst an den Mützen.

Das politische Geschehen in der Grafschaft und in Nordhorn fand dagegen in diesem Jahr keinen Niederschlag auf den Wagen. Stattdessen spielte erneut der Sport eine große Rolle. Der Fußball-WM-Sommertraum und der Handball-WM-Wintertraum beschäftigen die Narren offensichtlich mehr als Kanalvision und Rawe-Ringcenter. Neben den heimischen Karnevalsclubs Junge und Narren und Alemannia entsandten benachbarten und befreundete Vereine ihre Prunkwagen und Majestäten. Außerdem schlossen sich mehrere (Schützen-)Vereine dem Zug mit eigenen Wagen an – vor allem um für sich selbst zu werben und kräftig zu feiern. Dabei fiel erneut der Wagen des Bootsclubs Nordhorn auf. In den vergangenen Jahren als „Bob der Baumeister“ hangelten sich die Wassersportler in diesem Jahr als unbeugsame Gallier Asterix und Obelix an ihrem Gefährt hoch.
Besonders erfolgreich beim Anfeuern des Publikums, das dicht gedrängt an beiden Seiten des Gildehauser Wegs stand, waren die Narren aus der emsländischen Karnevalshochburg Emsbüren. Sie forderten die Zuschauer auf ihrem langsamen Weg durch die Blanke immer wieder mit Erfolg zur Après-Ski-Party inklusive Pollonaise auf.
Neben den Motivwagen sorgten eine Reihe von Spielmannszügen und Blaskapellen für rhythmische Bewegungen am Straßenrand. Die Ersten waren die Spielleute der Gilde aus Schüttorf, die sich wie im vergangenen Jahr mit Ponchos und Sombreros als Mexikaner verkleidet hatten. Mit von der Partie waren auch die Spielgemeinschaft Brandlecht-Frenswegen und weitere Formationen aus der Grafschaft, den Niederlanden, dem Emsland und aus Westfalen.
Auch zahlreiche närrische Majestäten fuhren im Umzug mit. Etwa Jörn I. und sarah I., das Kinderprinzenpaar der Jungen Narren, gefolgt von Prinzessin Sonja II. und Prinz Uwe I, die die erwachsenen Jungen Narren regieren. Auf dem Wagen des KC-Alemannia-Kinderthrons schwang das Prinz Thorben das Zepter.
Am Straßenrand fielen vor allem die Cliquen auf, die sich gleich kostümiert hatten. Da schunkelten (Militär-)polizisten und Sträflinge einträchtig Arm in Arm. Die Erwachsenen gingen als Esel und Pferd, als Monster oder Atze-Schröder-Double, als Bierflasche oder Sumoringer. Bei den Jugendlichen standen mehr oder weniger schockierende Grufty-Outfits hoch im Kurs.
Bei den Kindern tummelten sich Cowboys neben Teletubbies, Piraten neben Indianern und Ninja-Kämpfern, Ritter, Hexen, Burgfräuleins und Prinzessinnen, Bären und Drachen – und in diesem Jahr besonders häufig: Vampire. Die Narren oben auf den Wagen schossen mit Konfetti zurück.
Die Kinder freuten sich vor allem über die rund drei Tonnen Kamelle, die die Narren freigebig in die Menge warfen. Daneben flogen Kekse, Chips und Popcorn, Lutscher, Schlüsselanhänger und Bälle durch die Luft. Wem es zu kalt wurde, der konnte sich an einem der zahlreichen Getränkestände mit heißen oder hochprozentigen Getränken von innen aufwärmen.
Heiß her ging es auch noch, als der rund einen Kilometer lange Zug längst wieder in die Barbarastraße zurückgekehrt war. Die Kneipen in der Blanke und das große Festzelt auf dem Blankeplatz waren überfüllt. Die Prinzenpaare zogen von Kneipe zu Kneipe und gaben ihrem Narrenvolk Audienzen. Mit dem Rosensonntagsball im Schützenhaus „Zur Blanke“ endete der Höhepunkt der närrischen Saison in Nordhorn.
Auch die Polizei hatte gut lachen. Bis zum Abend gab es nur zwei Kunden, die wegen übermäßigen Alkoholkonsums aus dem Verkehr gezogen werden mussten. Ansonsten feierten die Narren überwiegend friedlich.
Auf einer Fotogalerie im Internet sind ab heute unter http://www.gn-online.de zahlreiche Fotos vom Umzug auf der Blanke zu sehen, die GN-Fotograf Werner Westdörp auf seinem Streifzug inmitten des Narrenvolks auf der Blanke geschossen hat.

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